„Zwischenruf“ zum Thema Transparenz bei BVG und DB
Sie und Ihre Familien sind es, der Autor ist es: Anteilseigner an öffentlichen Unternehmen, egal ob Anstalt öffentlichen Rechts (BVG) oder Aktiengesellschaft (DB).
Und als solches haben wir ein Anrecht auf Information und Transparenz. Nur: Warum kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass genau dies in gestelzt formulierten, zuweilen nichtssagenden Pressemitteilungen nicht eingelöst wird?
Nehmen wir folgende aktuell bekannt gewordene Beispiele:
Über die Gründe, warum Berlins neue Straßenbahn nicht eingesetzt werden darf, wurde lange berichtet. Nur hatte man immer den Eindruck, dass die wahren Gründe nicht benannt werden. Nun ist es doch ‚raus: die Bahn ist möglicherweise zu schwer für den U-Bahn-Tunnel am Alexanderplatz. Typisch Berlin könnte man sagen und es ist ja auch peinlich. Aber warum nicht gleich eine offensive, klare Kommunikation?
Bleiben wir noch bei der BVG: Für den Brand in der U9 kann sie vermutlich nichts. Ja, klar, man könnte fordern, wieder Personal auf den Bahnhöfen („Zurückbleim!“) zu stationieren. Aber das kostet. Im Dunkeln bleibt jedoch, warum es zwei Monate braucht, so einen Schaden zu reparieren. Da wir immer davon ausgehen, dass Profis am Werk sind und wir es beileibe nicht besser wissen, wird es ja Gründe geben. Warum allerdings werden die nachvollziehbar nicht benannt?
Womit wir bei der Deutschen Bahn wären: Dass die Generalsanierung Berlin-Hamburg länger dauert, weil der Winter für hiesige Verhältnisse heftig war und man bei gefrorenen Böden Erdarbeiten nur schwerlich ausführen kann, kann auch ein Laie nachvollziehen. Man hat halt, zum Ärger der Pendler, die Wette gegen die Wetterstatistik verloren. Warum werden wir aber nicht informiert, was man dort für mehr als 2.000.000.000 € baut? Oder besser: nicht baut? Warum keine Digitalisierung auf der Strecke? Wie steht es um die Ausweichstellen zur Erhöhung der Kapazität? Warum erklärt man nicht, dass man erneut mit längeren Fahrzeiten, wenn auch nur zwei Minuten, plant? Wir sind sicher: das interessierte Publikum würde es verstehen.
Warum wird bisher nicht erklärt, dass ein viergleisig gebauter Fernbahntunnel überlastet und nicht in der Lage ist, das geplante Fahrtenprogramm zuverlässig zu gewährleisten? Wer den dichten Fern-/Regionalverkehr auf der zweigleisigen Stadtbahn mit dem im Tunnel vergleicht, wird sich möglicherweise wundern.
Als vorletztes: der allseits beliebte Bahnhof Zoologischer Garten. Dort wird seit Jahren gewerkelt und nun verlängert sich die Bauzeit erneut. Auch hier: gestelzte (wir verzichten auf: „verschwurbelte“), inhaltsleere Pressemeldungen, die die wahren Gründe nicht nachvollziehbar erklären.
Gleiches galt auch für die nun offenbar Ende März in Betrieb gehende S15. Verzögerung um Verzögerung wurde mit „bautechnischen“, „kapazitiven“, „prozesstechnischen“ oder was auch immer für Gründen „erklärt“. Dass man hingegen bei der Siemensbahn offiziell an einer Eröffnung 2029 festhält, mag taktische Gründe haben, um den „Druck auf dem Kessel“ zu halten. Nur Optimisten glauben, dass man bei herrschendem Deutschlandtempo bis dahin eine Brücke über die Spree und in Jungfernheide eine weitere Bahnsteigkante gebaut haben wird.
Liebe Verkehrsunternehmen, habt Mut zur Wahrheit, zur Klarheit, zur Transparenz! Hört bitte auf mit Presseverlautbarungen, die so hinreißend nichtssagend nichts erklären. Steht zu Fehlern! Die passieren – jedem von uns. Und mutet dem Publikum, also Euren Fahrgästen und Anteilseignern etwas zu, denn inzwischen ist es ja Allgemeingut, dass in diesem Land in den vergangenen Jahrzehnten Infrastruktur vernachlässigt wurde. Informierte Menschen bringen mehr Verständnis für bestehende Unzulänglichkeiten auf und sind weniger anfällig, ja, auch in „unserem“ Themengebiet, für populistische Anwandlungen à la „alle unfähig“ etc. etc.
Habt also Mut zur Transparenz. Bitte.
Foto Copyright: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang

